Forensik: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 20. Juli 2026, 11:53 Uhr

Der deutsche Fachbegriff Forensik leitet sich vom lateinischen Forum her, das einst in Rom den öffentlichen Gerichtsort bezeichnet hatte. Forensik ist heute ein interdisziplinäres Spezialgebiet zur Beantwortung gerichtlicher Fragen. Der Begriff ging beim Forensischen Psychiater in eine Berufsbezeichnung ein, ansonsten spricht man von Rechtspsychologen oder Rechtsmedizinern.

Forensiker erstellen im Auftrag des Gerichts Sachverständigengutachten über die Sozial- und/oder Kriminalprognose bei psychisch Kranken. Es geht dabei im Betreuungsrecht vor allem um Geschäftsfähigkeit (§ 104 BGB bis § 105a BGB), Prozessfähigkeit (§ 51 ZPO bis § 53 ZPO), Testierfähigkeit (§ 2229 BGB) und Ehefähigkeit (§ 1304 BGB). Betroffene Rechtsgebiete sind außer dem Strafrecht - wegen der Beurteilung der Schuldfähigkeit - vor allem das Zivilrecht, das Sozialrecht, das Verwaltungsrecht und das Arbeitsrecht.

Psychiatriegeschichte

Die Psychiatrie ist die wissenschaftliche, d.h. nichtreligiöse Seelenheilkunde. Die wissenschaftliche Lehre vom Erkennen und Behandeln psychischer Störungen beim Menschen ist im Vergleich mit der körperorientierten Medizin relativ jung. Jahrhunderte lang war die christliche Nächstenliebe (= caritas) das (rechtliche) Gebot im Umgang mit psychisch Kranken, bis die nationalsozialistische Ideologie den Gnadentod im Deutschen Reich für diese Kranken als aktive Sterbehilfe durch Ärzte vorübergehend zugelassen hatte. Die moralische Erschütterung vieler Menschen über diesen in Deutschland an mehreren Orten geschehenen Tabu-Bruch dauert bis heute an.

Dabei hatten schon im 19. Jahrhundert einzelne Ärzte Lehrbücher der Psychiatrie veröffentlicht. Der erste deutsche Lehrstuhl für psychische Heilkunde wurde schon 1811 an der Universität Leipzig eingerichtet. Entscheidend war aber die „Heidelberger Schule“ um den deutschen Philosophen Karl Jaspers (1883 – 1969), den die Nationalsozialisten dann als Universitätsprofessor boykottiert hatten. Ab 1948 wirkte Jaspers daher als Universitätsprofessor in Basel in der Schweiz. Der psychopharmakologische Fortschritt in der medizinischen Forschung machte die bisher unheilbaren „Geisteskrankheiten“ zum Teil heil- bzw. beherrschbar und verbesserte die Teilhabe der Betroffenen am gesellschaftlichen Leben grundlegend.

Exorzismus

Der Exorzismus (lat.: ex-oro = erbitten, erflehen, durch Bitten bewegen) der römisch-katholischen Kirche ging aus alten, abergläubischen Praktiken hervor. Früher wurden „Dämonen“ mit Hilfe von Zaubersprüchen und Beschwörungen aus besessen geglaubten, psychisch kranken Menschen ausgetrieben. Dies war und ist bis heute eine religionsrechtlich zulässige, traumatisierende Seelenheilpraxis, die durch den Horrorfilm „Der Exorzist“ öffentlich bekannt wurde.

Protestantische Kirchen haben diese alten Heilpraktiken seit dem 16. Jahrhundert in Europa allmählich abgeschafft. Die römisch-katholische Weltkirche hält bisher am Amt des Exorzisten fest, ohne den Grund oder den Zweck öffentlich zu erklären. Faktisch bejaht sie damit aber weiterhin Zauberei bzw. Magie als Heilmittel. Nach erfolgter Aufklärung im europäischen Denken gelten jedoch exorzistische Handlungen an kranken Menschen als unsinnig und schädlich. Betreuer dürften dieser Behandlung in Deutschland keinesfalls zustimmen.

Trauma

Das aus dem Griechischen stammende Fremdwort bedeutet dort Wunde, Schaden oder Verlust. In der Psychologie und Psychiatrie wird mit Trauma eine Verletzung des Körpers oder der Seele bezeichnet, die erst an den typischen Traumafolgestörungen erkannt wird. Dazu gehören die Dissoziative Identitätsstörung, Depressionen, Suchtverhalten und die sogenannte posttraumatische Belastungsstörung, die z.B. bei Soldaten zur Dienstunfähigkeit wegen unheilbarer Krankheit führen kann.

Typische belastende (= traumatische) Lebenssituationen, die individuell zu Traumafolgestörungen führen können, sind Kriegs- oder Fluchterfahrungen, Folter, Naturkatastrophen, Vergewaltigung oder andere Gewalterfahrungen, sexueller Missbrauch, schwere Unfälle, der plötzliche Tod eines geliebten Menschen oder Mobbing. Auslöser für eine mögliche Traumatisierung kann der persönlich erlittene Kontrollverlust über sein eigenes Leben sein. Dadurch können sich Persönlichkeitsanteile verselbständigen, wodurch diese seelische Verletzung als Trauma gekennzeichnet ist. Das individuelle Selbst- und Weltbild des Betroffenen wird nachhaltig erschüttert, könnte aber durch individuell passende, psycho-soziale Unterstützung mit der Zeit wieder geheilt werden.

Siehe auch