| Zeile 11: |
Zeile 11: |
| | Die entscheidende Frage, u.a. wer sich im Falle der unterlassenen Antragstellung ordnungswidrig verhalten hat und wem also das Bußgeld droht, ist die der [[Geschäftsfähigkeit]] des Betreuten. Bekanntlich beeinträchtigt die [[Betreuerbestellung]] eine bestehende Geschäftsfähigkeit nicht. Allerdings kann sie gem. § 104 Nr. 2 BGB entfallen, wenn die [[freier Wille|freie Willensbestimmung]] krankheitsbedingt nicht gegeben ist. Im Zweifel muss derjenige die Geschäftsunfähigkeit beweisen, der sich darauf beruft. Beabsichtigt die Passbehörde, den Betreuer wegen Nichtantragstellung eines Personalausweises ein Bußgeld aufzuerlegen, ist sie also beweispflichtig. | | Die entscheidende Frage, u.a. wer sich im Falle der unterlassenen Antragstellung ordnungswidrig verhalten hat und wem also das Bußgeld droht, ist die der [[Geschäftsfähigkeit]] des Betreuten. Bekanntlich beeinträchtigt die [[Betreuerbestellung]] eine bestehende Geschäftsfähigkeit nicht. Allerdings kann sie gem. § 104 Nr. 2 BGB entfallen, wenn die [[freier Wille|freie Willensbestimmung]] krankheitsbedingt nicht gegeben ist. Im Zweifel muss derjenige die Geschäftsunfähigkeit beweisen, der sich darauf beruft. Beabsichtigt die Passbehörde, den Betreuer wegen Nichtantragstellung eines Personalausweises ein Bußgeld aufzuerlegen, ist sie also beweispflichtig. |
| | | | |
| − | Für den Betreuer sollte folgende Faustregel gelten: Volljährige sind im Normalfall voll geschäftsfähig, Geschäftsunfähigkeit ist auch bei Betreuten die juristische Ausnahme. Eindeutige Fälle der Geschäftsunfähigkeit wie Koma, schwerste Demenz, erfüllen zugleich die Voraussetzungen zur Ausweisbefreiung (siehe unten). Ansonsten sollte der Betreute in den Bestellungsbeschluss des [[Betreuungsgericht]]es gem. § 286 FamFG scheuen, ob die Anordnung der Betreuung auch ohne oder gegen den Willen des Betreuten für zulässig erklärt wurde, weil dieser nach Überzeugung des [[Betreuungsrichter]]s zur freien Willensbildung nach § 1814 Abs. 2 BGB nicht in der Lage war. Oder ein [[Einwilligungsvorbehalt]] wurde nicht angeordnet, weil der Richter eben der Ansicht war, der Betreute sei ohnehin geschäftsunfähig. | + | Für den Betreuer sollte folgende Faustregel gelten: Volljährige sind im Normalfall voll geschäftsfähig, Geschäftsunfähigkeit ist auch bei Betreuten die juristische Ausnahme. Eindeutige Fälle der Geschäftsunfähigkeit wie Koma, schwerste Demenz, erfüllen zugleich die Voraussetzungen zur Ausweisbefreiung (siehe unten). Ansonsten sollte der Betreute in den Bestellungsbeschluss des [[Betreuungsgericht]]es gem. § 286 FamFG schauen, ob die Anordnung der Betreuung auch ohne oder gegen den Willen des Betreuten für zulässig erklärt wurde, weil dieser nach Überzeugung des [[Betreuungsrichter]]s zur freien Willensbildung nach § 1814 Abs. 2 BGB nicht in der Lage war. Oder ein [[Einwilligungsvorbehalt]] wurde nicht angeordnet, weil der Richter eben der Ansicht war, der Betreute sei ohnehin geschäftsunfähig. |
| | | | |
| | Solche Angaben, ebenfalls noch – wenn auch eingeschränkter – vergleichbare Aussagen im [[Sachverständigengutachten]] nach § 280 FamFG sind Indizien. Zwar muss die Passbehörde oder die für das Bußgeld zuständige Gerichtsinstanz nicht zwingend zur gleichen Ansicht kommen; es empfiehlt sich aber bei solchen Fallgestaltungen als Betreuer, es auf die möglicherweise sehr ärgerlichen Folgen nicht ankommen zu lassen, zumal eine [[Haftpflichtversicherung]] des Betreuers das Bußgeld nicht übernimmt. | | Solche Angaben, ebenfalls noch – wenn auch eingeschränkter – vergleichbare Aussagen im [[Sachverständigengutachten]] nach § 280 FamFG sind Indizien. Zwar muss die Passbehörde oder die für das Bußgeld zuständige Gerichtsinstanz nicht zwingend zur gleichen Ansicht kommen; es empfiehlt sich aber bei solchen Fallgestaltungen als Betreuer, es auf die möglicherweise sehr ärgerlichen Folgen nicht ankommen zu lassen, zumal eine [[Haftpflichtversicherung]] des Betreuers das Bußgeld nicht übernimmt. |
| Zeile 51: |
Zeile 51: |
| | Eine Befreiung kann nach § 1 Abs. 3 PAuswG nur gewährt werden, wenn für den Betroffenen entweder ein rechtlicher Betreuer bestellt ist (nur endgültige Betreuer, vgl. § 286 FamFG, keine vorläufigen Betreuerbestellungen nach §§ 300, 301 FamFG) oder ein Bevollmächtigter durch öffentlich beglaubigte Vollmacht eingesetzt ist. | | Eine Befreiung kann nach § 1 Abs. 3 PAuswG nur gewährt werden, wenn für den Betroffenen entweder ein rechtlicher Betreuer bestellt ist (nur endgültige Betreuer, vgl. § 286 FamFG, keine vorläufigen Betreuerbestellungen nach §§ 300, 301 FamFG) oder ein Bevollmächtigter durch öffentlich beglaubigte Vollmacht eingesetzt ist. |
| | | | |
| − | Bei der Betreuung kommt es bei Befreiungsanträgen (anders als bei der Beantragung des Ausweises) lt. Personalausweisgesetz nicht auf den Aufgabenkreis an. Aber damit die gesetzliche Vertretungsbefugnis nach § 1823 BGB gegeben ist, wird doch wieder entweder der Aufgabenkreis [[Aufenthaltsbestimmung]], die „[[Vertretung gegenüber Behörden]]“ oder „alle Angelegenheiten“ notwendig sein. Erforderlich ist ferner weder ein [[Einwilligungsvorbehalt]] noch Geschäftsunfähigkeit auf Seiten des Betreuten. | + | Bei der Betreuung kommt es bei Befreiungsanträgen (anders als bei der Beantragung des Ausweises) lt. Personalausweisgesetz nicht auf den Aufgabenkreis an. Aber damit die gesetzliche Vertretungsbefugnis nach § 1823 BGB gegeben ist, wird doch wieder entweder der Aufgabenbereich [[Aufenthaltsbestimmung]] oder die „[[Vertretung gegenüber Behörden]]“ notwendig sein. Erforderlich ist ferner weder ein [[Einwilligungsvorbehalt]] noch Geschäftsunfähigkeit auf Seiten des Betreuten. |
| | | | |
| | Bei der Vollmacht wird ebenfalls kein spezieller Vollmachtsinhalt lt. Gesetzestext erwartet. Hier wird aber ebenfalls zu beachten sein, dass dem Vollmachtnehmer die Vertretung in behördlichen Fragen oder der Aufenthaltsbestimmung eingeräumt wurde. | | Bei der Vollmacht wird ebenfalls kein spezieller Vollmachtsinhalt lt. Gesetzestext erwartet. Hier wird aber ebenfalls zu beachten sein, dass dem Vollmachtnehmer die Vertretung in behördlichen Fragen oder der Aufenthaltsbestimmung eingeräumt wurde. |
| Zeile 74: |
Zeile 74: |
| | ==Online-Ausweisfunktion des Personalausweises== | | ==Online-Ausweisfunktion des Personalausweises== |
| | | | |
| − | Vertrauliche Daten und [[Datenschutz]] gehören in Deutschland verfassungsrechtlich zusammen. Vertrauliche Daten könnten bzw. dürften ohne funktionierenden [[Datenschutz]] im globalen Internet gar nicht verarbeitet werden. Ein gesetzlicher [[Datenschutz]] ist aus verfassungsrechtlichen Gründen zum Schutz der [[Grundrechte]] in Deutschland notwendig. Der moderne deutsche Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion ermöglicht den Deutschen unter bestimmten Umständen – mit Lesegerät - die Souveränität über ihre eigene digitale Identität im Internet. So kann der Missbrauch der Identität (Identitätsdiebstahl) im Internet durch Dritte weitgehend verhindert werden. | + | Vertrauliche Daten und [[Datenschutz]] gehören in Deutschland verfassungsrechtlich zusammen. Vertrauliche Daten könnten bzw. dürften ohne funktionierenden [[Datenschutz]] im globalen Internet gar nicht verarbeitet werden. Ein gesetzlicher [[Datenschutz]] ist aus verfassungsrechtlichen Gründen zum Schutz der [[Grundrechte]] in Deutschland loop notwendig. Der moderne deutsche Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion ermöglicht den Deutschen unter bestimmten Umständen – mit Lesegerät - die Souveränität über ihre eigene digitale Identität im Internet. So kann der Missbrauch der Identität (Identitätsdiebstahl) im Internet durch Dritte weitgehend verhindert werden. |
| | | | |
| | Umfangreiche Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen sind für die interessierte Bevölkerung ab 16 Jahren dringend notwendig, um die nächste Entwicklungsstufe in der deutschen [[digitale Barrierefreiheit|digitalen Gesellschaft]] zu erreichen. Durch diese Hilfen zur Selbsthilfe könnte jeder technisch geeignete PC (Personalcomputer) oder Laptop bei entsprechender Vorsicht des Nutzers zu einem sicheren Terminal im globalen Internet werden. Dann wären auch medienbruchfreie [[Jahresbericht]]e der [[Betreuer (Ehrenamt)|ehrenamtlichen Betreuer*innen]] über das [[Elektronisches Gerichts- und Verwaltungspostfach|Elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach]] irgendwann die Regel, nicht bloß die Ausnahme. | | Umfangreiche Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen sind für die interessierte Bevölkerung ab 16 Jahren dringend notwendig, um die nächste Entwicklungsstufe in der deutschen [[digitale Barrierefreiheit|digitalen Gesellschaft]] zu erreichen. Durch diese Hilfen zur Selbsthilfe könnte jeder technisch geeignete PC (Personalcomputer) oder Laptop bei entsprechender Vorsicht des Nutzers zu einem sicheren Terminal im globalen Internet werden. Dann wären auch medienbruchfreie [[Jahresbericht]]e der [[Betreuer (Ehrenamt)|ehrenamtlichen Betreuer*innen]] über das [[Elektronisches Gerichts- und Verwaltungspostfach|Elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach]] irgendwann die Regel, nicht bloß die Ausnahme. |
| | + | |
| | + | ==Rechtsprechung== |
| | + | '''LSG München, Beschluss vom 03.02.2026, L 16 AS 681/25 B ER''' |
| | + | |
| | + | Antragsteller nach dem SGB II sind verpflichtet einen [[Personalausweis]], einen Reisepass oder ein ähnliches gültiges Identitätsdokument zur Identitätsfeststellung vorzulegen. Diese Pflicht ist ausdrücklich weder im SGB II noch im SGB I geregelt, ist jedoch eine ungeschriebene Tatbestandsvoraussetzung, da Leistungen nach dem SGB II nicht an nicht identifizierbare Personen gezahlt werden. |
| | | | |
| | ==Videos und Podcasts== | | ==Videos und Podcasts== |
| Zeile 89: |
Zeile 94: |
| | | | |
| | ==Siehe auch== | | ==Siehe auch== |
| − | * [[Betreuerausweis]] | + | * [[Betreuerausweis]], [[Zugriffsrecht]] |
| − | * [[gesetzliche Vertretung]] | + | * [[gesetzliche Vertretung]], [[gesetzlicher Vertreter]], [[Personenstand]] |
| | * [[Elektronisches Gerichts- und Verwaltungspostfach]], [[Nutzungspflicht]] | | * [[Elektronisches Gerichts- und Verwaltungspostfach]], [[Nutzungspflicht]] |
| | * [[elektronischer Identitätsnachweis]], [[e-Rechnung]] | | * [[elektronischer Identitätsnachweis]], [[e-Rechnung]] |